Altes Kurhaus Lückendorf

Zur Geschichte des „Alten Kurhauses“


Das Kurhaus um 1898.
Kronprinz Friedrich August von Sachsen, und seine Söhne Friedrich Christian und Georg.
Das Kurhaus 1903.

Vom Kurhaus zum Reservelazarett

Ermutigt durch das steigende Interesse der „Großstädter“, auf dem Dorf und Lande neue Kräfte und Gesundheit zu finden, fasste der Zittauer Baumeister Oswald Fritsche im Sommer 1896 den Entschluss zum Bau eines „Kurhauses“. Als geeigneten Platz wählte er dafür das am Brandberg gelegene „August Arnoldsche Bauerngut“, welches sich zu diesem Zeitpunkt in städtischen Besitz befand. Schon Ende September 1896 wurde mit dem Abbruch der alten Scheune und dem Neubau begonnen.Nach kurzer Bauzeit wurde das „Kurhaus Lückendorf“ bereits am 15. Mai 1897 dem öffentlichen Verkehr übergeben, am 21. Juni erfolgte die Einweihung.

Der erste Pächter des Hauses war Oberkellner Hugo Löbel aus Leipzig. Er erfreute sich eines guten Rufes und brachte das Kurhaus bald zu Ansehen. Im Herbst 1898 zerschlug sich plötzlich das Pachtverhältnis zwischen Löbel und Baumeister Fritsche und Heinrich Unger aus Eichgraben führte in dessen Auftrag die Bewirtschaftung weiter.

Im April 1900 übernahm Otto Wanke aus Dresden das Kurhaus pachtweise. Auch diesem war es nicht vergönnt, das Haus wieder auf alte Höhen zu bringen. Im Herbst desselben Jahres gab Wanke die Pacht wieder auf und an dessen Stelle trat vertretungsweise der Hotelier Eduard Sieg aus Oybin. Am 1. Februar 1901 erwarb es dann der Görlitzer Hotelier Albrecht Meyer, welcher von vornherein in einem guten Ruf stand. Diesem war es möglich, das Kurhaus bald wieder zum alten Ansehen zu bringen.

Am 23. Juli 1903 weilte der letzte Sächsische König, seine Königliche Hoheit der Kronprinz Friedrich August von Sachsen, und seine Söhne Friedrich Christian und Georg im „Kurhaus Lückendorf“. Zur Erinnerung an den königlichen Gast gab es ein Foto, aufgenommen hinter dem Kurhaus von Photograph Strube, Zittau.

Am 1. April 1907 verkaufte er jedoch das Haus weiter an den Hotelier Martin Müller aus Dresden. Dieser erneuerte zunächst das Haus innen und außen, baute 1911 die große Veranda an und betrieb das „Kurhaus Lückendorf“ als „Restaurant – Gebirgshotel – Weinstuben“.

Am 1. Oktober 1912 wurde die Postagentur in das Kurhaus verlegt, welche dessen Besitzer bis zum 31. August 1919 verwaltete. Unter Müllers Leitung hob sich der Betrieb weiter, ebenso der Fremdenverkehr, welcher seinen Höhepunkt 1913/14 bis zu Ausbruch des Krieges erreichte. 1914, kurz nach der Mobilmachung wurde Müller zum Heeresdienst einberufen. Die Bewirtschaftung leitete seine Frau bis zu dessen Rückkehr Anfang 1918. Von Ende November 1918 bis April 1919 wurde das Kurhaus als Reservelazarett benutzt.

Ferienheim und Predigerseminar

Anfang Mai 1919 erwarb die Firma Hugo Schneider A. G. Leipzig das Kurhaus zum Zwecke der Errichtung eines Ferienheimes für ihre Beamten und Arbeiter. Das Haus wurde wiederum innen und außen gründlich erneuert und vollständig eingezäunt. Durch Zukauf verschiedener Flurstücke wurde das Grundstück erheblich erweitert und eine Obstplantage angelegt. Im Sommer 1925 gab die Firma Hugo Schneider den Betrieb des Ferienheimes auf.

Der frühere Besitzer Martin Müller übernahm als Pächter erneut die Geschäfte und führte das Haus wieder dem öffentlichen Leben zu. Leider ließ die wirtschaftliche Lage jedoch den Weiterbetrieb des Kurhauses nicht zu, sodass sich schon im Herbst 1926 der Pächter Müller gezwungen sah, das Pachtverhältnis mit der Firma Hugo Schneider teilweise zu lösen.

Ende März 1927 wurde das Haus vom Evangelisch Lutherischen Landeskonsistorium Dresden zum Zwecke der Errichtung eines Predigerseminars erworben.Am 11. Juli 1927 wurde unter der Leitung des Architekten und Baumeisters Willy Kögler aus Leipzig mit dem Umbau begonnen, ausführender Baumeister war Kurt Linke aus Zittau. Als letzter Rest vom ursprünglichen Bauerngut war das Wohnhaus mit Stall stehen geblieben und wurde bis dato als Kutscherstube und Hausdienerwohnung benutzt. Mehrmals umgebaut musste es schließlich im Jahre 1927 dem schmucken Neubau für die Gärtnerwohnung des Predigerseminars Platz machen.

Am 18. November 1927 erfolgt die feierliche Einweihung als Predigerseminar durch Herrn Landesbischof Ihmels. Bereits am 10. November nachmittags in der 4. Stunde kündete das erstmalige Geläut der Glocke dem Ort den Einzug neuer Nutzer an.

Von 1939 bis mindestens Mai 1944 wurde das Gebäude als Erholungsheim „Haus in der Sonne“ und auch als Kinderlandverschickungsheim für „infektiöskranke Kinder aus bombengeschädigten Gebieten“ genutzt.

Im Jahr 1965 wurde in der Kapelle des Predigerseminars durch die Firma Schuster aus Zittau eine Orgel aufgestellt.

In den Jahren 1991 – 1993 wurden im Auftrag des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes umfangreiche Sanierungsarbeiten am Haus durchgeführt, wie z. B. der Einbau eines Heizöllagerraumes, eines Gemeinde- und Seminarraumes die Erneuerung der Terrasse.

1996 – Schließung des Predigerseminars - Leerstand des Gebäudes.

Quellen: Bauakte und private Aufzeichnungen von Frau P. Richter (Vielen Dank für die Bereitstellung).

Zurück zum Ursprung - das Kurhaus wird Wellness-Pension

Am 26. Juni 2006 erfolgte der Verkauf des Anwesens durch das Evangelisch-Lutherische Landeskirchenamt Sachsen an Herrn Dr. Ing. Hartmut Liebisch.

Herbst 2006 – Beginn der Entkernung und Umbau des Gebäudes zur Wellness-Pension.

In den Jahren 2007 und 2008 erfolgte die Entrümpelung des Hauses. Im Vordergrund stand der Erhalt der statischen Sicherheit des Gebäudes. Alle Decken, Wände und Fußböden wurden geöffnet. Befallene Hölzer wurden behandelt und großflächig ausgetauscht. Der Antrag auf Baugenehmigung wurde eingereicht und diese erteilt. Das Dach wurde neu gedeckt, über 90 Fenster eingebaut und die Fassade saniert.

In den Jahren 2009 und 2010 folgte die Wärmedämmung des Daches; die Errichtung neuer Wände, Decken, Fußböden und Türen sowie die Elektro- und Sanitärinstallation.

August 2010 - Bau der Banja; Bau Fluchttreppe

Oktober/November 2010 - Einrichtung der 17 Gästezimmer.

Ostern 2011 – Eröffnung der Pension „Altes Kurhaus Lückendorf“ mit 17 Gästezimmern (30 Betten) sowie des Restaurants „aromatherapie“.

Bis Ende des Jahres 2011 wurde im Keller des Hauses der Wellness-Bereich ausgebaut und mit Sauna, Pool und Beautyfarm versehen.

26. August 2011 – Besuch des Sächsischen Umweltministers Herrn Frank Kupfer. Der Freistaat Sachsen unterstützte den Ausbau im Rahmen des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum mit Fördermitteln für den Innenausbau und Wellness-Bereich.